Visualisierung von Musik – ein Mythos

Visualisierung von Musik – ein Mythos

Um die Visualisierung von Musik ranken sich gehegte Mythen. Es ist eine schlichte Täuschung, dass ein Musikstück mit wenigen Bildern zu erfassen wäre. Die Fotos täuschen eine Eindeutigkeit vor, weil der Betrachter nicht wissen kann, dass es 1000 andere Bilder gibt, die alle anders aussehen. Die Variabilität der Bilder ist bei Musik zudem ungleich enger, als die Spannbreite der Musik selbst. Es liegt im Grunde alles in der Entscheidung des Fotografen, etwas lauter zum Beispiel sieht eben anders aus. Bei Gehirnaktivität ist das genau umgedreht: der Sound klingt sehr ähnlich, die Bilder unterscheiden sich sehr.

Seit dem 18. Jahrhundert sind Resonanzbilder von Musik durch den Physiker Chladni auch in Europa bekannt. Seitdem wird Sound und Musik gelegentlich genutzt, um Resonanzbilder zu erzeugen. Dabei wird oft der Eindruck vermittelt, dass die Musikstücke ein spezielles Bild erzeugen. Dies ist keineswegs so. Hier dargestellt durch einen Vergleich von klassischer bzw. Pop-Musik.
Schöne Bilder, aber ohne echte Information oder Individualität. In jedem Heavy-Metal-Stück sind Muster, die wie Klassik aussehen und umgedreht.

Musikbeispiel Die Moldau

Die Moldau, Allegro (Bedrich Smetana)
Da im Avatar pro Minute 1500 bis zu 10.000ende Bilder entstehen – unterschiedliche versteht sich – wissen wir, dass es zum Beispiel nicht EIN Bild für ein Musikstück gibt, sondern einen ganzen Kosmos. Ein Smetana Stück kann man nicht in wenigen Fotos wiedergeben. Ich kann zu Smetana auch ein Bild heraus suchen, das eine andere Formsprache zeigt. Ein Foto ist immer eine Auswahl. Uns interessiert weniger das Muster eines Smetana Stückes, sondern eher die Muster von Smetana selbst! Gerne würden wir seinen Avatar beim Komponieren betrachten. Daher arbeiten wir mit lebenden Musikern und ihrer Musik. Frequenzen sind wie Musik, stets in Bewegung, ein komplexes Gefüge aus Höhen, Tiefen, Rhythmen und Melodien, Obertönen und Modulationen.

Ein paar Fotos davon können weder den Prozess zeigen, noch das Musikstück repräsentieren. Die Gehirnaktivität eines Ed Sheeran beim Singen durch den Brain-Avatar zu visualisieren, wäre spannender und aussagekräftiger. Ohne den Prozess zu untersuchen lässt sich die Form nicht klären.

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