Grenzraum von Kunst & Naturwissenschaft

Grenzraum von Kunst und Naturwissenschaft

Lesen Sie hier die ungekürzte Fassung

Der Grenzraum arbeitet an keiner Grenze, sondern vor allem im Innen-Raum von Kunst und Naturwissenschaft.

Wir arbeiten seit 2012 vor allem in der kulturellen Bildung mit Kindern und Jugendlichen. Workshops Beispiele.

“Uns reichen Modelle und Datensätze nicht, sondern uns interessieren die tatsächlichen Formen in den Prozessen, zum besseren Verständnis der Prozesse.” Martin Schöne

Im Innern einer Schnittmenge liegen (Stand-)Punkte, die weite Innen-Perspektiven auf beide Teilmengen mit sich bringen. Es ist ein wunderbar geeigneter Ort, um Form im weitesten Sinne zu “betrachten”, einen echten Zugang zu finden. …lustigerweise sind die Künstler davon nicht weniger überrascht, als die Naturwissenschaftler ((:

Die faszinierendsten und angregendsten Perspektiven finden sich (natürlich) mitten im Grenzraum (also Innenraum) von Kunst und Naturwissenschaft, der riesengroß ist und den gesamten Bereich der Form meint, – konkret den sichtbaren Ergebnissen der Kunst (meint letztlich den gesamten persönlichen/kreativen Ausdruck), als auch der naturwissenschaftlichen Betrachtung der Phänomene (der Natur). Die beobachtbaren Phänomene waren immer gemeinsamer (!) Ausgangspunkt von Kunst und Naturwissenschaft, – befeuert von dem urmenschlichen Phänomen unserer Neugier. Alles was wir sind und die Menschheit geschaffen hat, findet da seinen Ausgangspunkt. Angefangen von den Aktivitäten jedes Babies bis hin zu jeder Erkenntnis der anspruchsvollsten Forschung, – und hier sehen wir auch den großen gemeinsamen Nenner von Kunst und Wissenschaft. Die heutige Trennung und Spezialisierung empfinden wir eher als notwendiges Übel, da unser Bewusstsein noch sehr jung ist.

Die Geschichte lehrt uns, dass jede naturwissenschaftlichen Erkenntnis (oder ästhetischer Ausdruck) lediglich eine Deutung darstellt, die zur Zeit als aktuell gilt (uns berührt, für uns Bedeutung hat). Die wahren Fakten sind die Phänomene, die zeitlos sind. Die Deutungen entwickeln an den Grenzen des aktuellen Bewusstsein, – und mehr auch nicht. Wir meinen schon immer, dass wir etwas verstanden haben, – was sich dann aber spätestens 1-10 Generationen später, als unvollkommen oder auch völlig falsch herausstellt. Wir folgen der für uns machbaren Logik/Ästhetik, mehr nicht. Zum Beispiel folgen wir heute noch ganz überwiegend einer linearen Logik (was auch vieles erreicht hat), weil uns eine komplexe und multidimensionale Logik schlicht überfordert. Die Natur löst komplexe Aufgaben jedoch ganz anders, – und wir meinen, dass auf dieser Ebene weder eine Trennung von Phänomenen und Ästhetik existiert, noch Sinn ergibt. Es ergibt sich dann ein gemeinsamer (Grenz-)Raum von Kunst und Naturwissenschaft, der im Grunde identisch ist. 

Wie kommen wir darauf? Ausschweifung zum Gehirn:

Am Beispiel unseres Gehirns wird dies sehr deutlich. Unser Gehirn macht keine simplen Logikketten, sondern nimmt einfach jede Erfahrung und jede Wahrnehmung für wahr und lässt sie in einem ausgefuchsten System, welches wir noch nicht verstanden haben, weil unser Bewusstsein es noch nicht verstehen kann, parallel ablaufen. Dies hat den riesigen Vorteil, dass die gesamte Informationsmenge erhalten bleibt und das Ganze nicht auf eine fast unendliche Reduktion hinausläuft, wie in der linearen Logik. Dort kann widersprüchliches und sogar gegensätzliches parallel gelten. Sie verstehen das nicht? Können wir auch nicht, – jedenfalls nicht unser Bewusstsein. Aber die Natur kann es, und macht das jedenfalls in unserem Gehirn (sonst könnten wir z.B. nicht so schnell wahrnehmen. Und haben auch noch nicht verstanden, wie wir so schnell wahrnehmen). Wie kann das sein? Stichwort: Unbewusstes! ::: Wir haben im Grunde nur direkten Zugang zu unserem Bewusstsein. Dahinter liegt jedoch das Allermeiste, was wir z.b. merken, wenn wir uns an die Vergangenheit erinnern. 99,99 der möglichen Erinnerung ist uns nicht bewusst (aber wir können es „rauskramen“). Das ist auch gut so, weil wir sonst total überfordert wären, – quasi sofort wahnsinnig würden. Unser Unbewusstes macht 99% unserer Aktivitäten aus, erledigt 99% der Aufgaben und löst wenigstens 99% unserer Probleme. Leitende Hirnforscher können in unserem Bewusstsein nur einen „energiefressenden Ausnahmezustand“ sehen (Roth). Unser Unbewusstes ist auf jeden Fall anders organisiert, als unser Bewusstsein,- und zwar viel effektiver/leistungsfähiger, weil es einer ganz anderen Logik/Organisation folgt.

Die konkreten Formen sind einzigartige Perspektiven. Der individuelle Ausdruck kann daher dem Einzelnen einen viel größeren „Gewinn“ bringen, als oft angenommen, – der weit über den künstlerischen Ausdruck hinausgehen kann.

Sehen Sie bitte auf den letzten Punkt, Sie haben den Punkt natürlich übersehen, aber genau da geht die ganze Geschichte des Menschen und der Formen los. Die Mythen sind sich da einig: aus den Nebeln, dem Dunkel, dem Tohuwabohu, dem Chaos etc. wird Form sichtbar, naturwissenschaftlich betrachtet als erste Elemente, konkret sogar Wasserstoff als Element 1 unseres chemischen Periodensystem. Die Naturwissenschaft sieht darin vorrangig Materie, wir sehen darin primär eine bestimmte Form, die durch die Wechselwirkungen der Elemente bevorzugt wird. Wir denken letztlich: Die Materie folgt der Form, aber darüber kann man trefflich streiten und kann auch dem Umstand geschuldet sein, dass unser Ausgangspunkt die Kunst war. (Fakt ist, dass die Elementarteilchen diesem Resonanzprozess wohl folgen, was z.B. für die Entstehung von Kohlenstoff explizit nachgewiesen werden konnte.).

Hier geht es nur darum aufzuzeigen, dass Kunst und Naturwissenschaft unglaublich eng verbunden sind und sich bedingen (wofür man jedoch den klassischen Blick auf „die „Kunst“ und „die Naturwissenschaft“ von allen Überhöhungen befreien und ablegen muss).

Kommentare sind geschlossen